Tier und Naturphotografie von Dirk Volling


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Langnasen Strauchnatter Philodryas baroni

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Langnasen Strauchnatter Philodryas baroni

Verbreitung:
Die Langnasen Strauchnatter Philodryas baroni kommt in Argentinien, Bolivien und Paraguay vor.

Lebensraum u. Lebensweise:
Sie ist vorwiegend ein Strauch- und Baumbewohner. Meist lebt sie in Galeriewäldern, in Wäldern, oft in Wassernähe. Aber sie kommt jedoch auch in Felsenregionen vor, bin diesen Gebieten und in trocknen gebieten ist sie häufig am Boden anzutreffen.

Größe und Gewicht
Philodryas baroni kann eine Gesamtlänge (einschließlich Schwanz) von etwa 150 bis 180cm, in Ausnahmefällen bis 200cm erreichen.

Haltung und Pflege:
Die Haltung von Philodryas baroni im Terrarium ist meist unkompliziert. Sie ist eine friedfertige, neugierige Schlange die viele Versteckmöglichkeiten braucht.
Optisch sollte es so naturgetreu wie möglich gehalten werden.Zur Einrichtung gehören außer dem Wasserteil noch Steine, die gerne als Sonnenplatz genutzt werden, Äste und mehrere Versteckmöglichkeiten.Kletternattern halten sich besonders gerne auf hohen Äste und geschützten Plattformen auf.

Temperatur und Luftfeuchtigkeit:
Meine Philodryas baroni halte ich tagsüber bei einer Temperaturen von 28-29°C Grad und senke die Temperatur Nachts auf ca. 24°C ab. Die Luftfeuchte sollte bei ca 60 % liegen, ganz wichtig ist eine klare Trennung von Wasser und Landteil. Der Bodengrond muß unbedigit Trocken sein. Was beim Lebensraum u. Lebensweise beschrieben steht ist auch in der Terrarienhaltung sehr schön zu beobachten, ist der Boden feucht halten sich die Tiere nur auf den Ästen auf, ist Bodengrund trocken sind sie sie auch bodenbewohnend.

Terrariengröße:
Philodryas baroni braucht ein geräumiges Hochterrarium das den Tagaktiven Tieren, die in der Natur auch zu einem Gleitflung fähig sind genügend Raum gibt.
Da Endterrarium für meine Tiere ist 100cm x 200cm x 120cm (LxHxT)

Futter:
Die Tiere fressen Mäuse und Ratten in der jeweils entsprechenden Größe. Das Futter biete ich mit der Pinzette oder in kleinen Schalen in der Nähe ihrer Lieblingsruheplätze an.
Vorsicht bei der Fütterung immer dabeibleiben die Tiere sind Futter neidisch und es kann zu beißereien kommen und bitte beachte die sonst ruhigen und beißfaulen Tiere sind während der Fütterung recht hecktisch und schnappen auch schon mal nach der Pinzette(nicht nach der Maus). Daher nur mit langer Pinzette und nicht mit der Hand füttern.

Gift:
Bei dieser Schlange handelt es sich um eine Trugnatter opisthoglyphischen Schlange, das heißt die Giftzähne der Schlange sind im hinteren Bereich des Kiefers angeordnet.
Über die Wirkung und Zusammensetzung des Giftes dieser Schlange ist wenig bekannt und die Meinungen gehen weit auseinander
Während viele diese Art für harmlos halten, sagen die anderen, dass die Gefahr nicht richtig einzuschätzen ist und es sollte von einer lebensgefährlichen Vergiftung ausgegangen werden. Es seien sogar Todesfälle bekannt, die aber nicht belegt sind!
Fest steht jedoch, dass es bereits menschliche Vergiftungen verursacht hat.
Daher wurde die Proteinzusammensetzung durch Natriumdodecylsulfat-Polyacrylamid-Gelelektrophorese (SDS-PAGE) sowie seine Auswirkungen auf das hämostatische System untersucht.
Zusammenfassung des Untersuchungsergebnisses:
Das Gift der Langnasen Strauchnatter Philodryas baroni ist ein “Klein monolulares Gift“ welches aus verschiedenen Eiweißverbindungen besteht, die sich hauptsächlich aus Schlangengift-Metalloproteinasen (SVMP) und Postsynaptischen Neurotoxinen besteht, die vorhandenen Myotoxine sind nicht von klinischer Bedeutung.
Ein Hauptbestandteil des Giftes der Langnasen Strauchnatter Philodryas baroni sind Schlangengift-Metalloproteinasen (SVMP), dieses ist eine Gruppe verwandter Enzyme, die für die Spaltung von Eiweißverbindungen verantwortlich ist.
Dieses führt zu:
• Dem Abbau von Pigmentzellen (Zerstörung von Zellen der oberen Hautschicht)
• Hämorrhagischen Aktivität, ( Gewebszerstörend rufen Blutungen hervor)
• Störung der Blutgerinnung ( Starke Blutungsneigung)
• zum einen durch die Spaltung von Fibrinogen „Substrat der Gerinnung“
• zum anderen verhindert zwar die Blutgerinnung nicht direkt, aber blockiert die Bildung der Stoffe die für das Zusammenlagerung von Blutplättchen verantwortlich sind
Postsynaptische Neurotoxine:
Die Giftwirkung postsynaptischer Neurotoxine (Nervengifte) beruht auf einem Eingriff in die Erregungsübertragung der Nervenbahnen:
Sie blockieren die Acetylcholinesterase in allen Synapsen des parasympathischen vegetativen (Unbewusste Handlungen) Nervensystems.
Dadurch kommt es zu einer Dauererregung aller betroffenen Nervensysteme, was zu Nasenlaufen, Sehstörungen, Pupillenverengung, Augenschmerzen, Atemnot, Speichelfluss, Muskelzucken, Krämpfe, Schweißausbrüche, Erbrechen führen kann.
Klinischer Test:
Nach intradermaler Injektion des Rohgifts entwickelte sich in der Haut der Maus eine deutliche Blutung, deren minimale hämorrhagische Dosis 13,9 µg betrug. Bei intramuskulärer Injektion in den Gastrocnemius von Mäusen induzierte das Gift lokale Effekte wie Blutungen, Myonekrose, Ödeme und Leukozyteninfiltration.
Zusammenfassende Bewertung der biochemischen und biologischen Analyse:
Aufgrund seiner gezeigten Gifttoxizität sollte P. baroni als gefährlich für den Menschen angesehen werden und jeder medizinisch signifikante Biss sollte unverzüglich von qualifizierten medizinischen Fachpersonal überprüft werden.
Maßnahmen nach einem Biss:
• Alle Maßnahmen erfolgen symptomatisch.
• Agitierte (innere Unruhe, häufig von Angstzuständen und großem Bewegungsdrang begleitet) Patienten sind zu sedieren.
• Es muss eine klinische Abklärung und Überwachung erfolgen.
Abschließend noch zwei Berichte über den Biss von Philodryas baroni

Fall 1
Beim Füttern der Schlange wurde ein Amateur-Herpetologe mit dem hinteren Zahn in das rechte Daumenendglied gebissen. Es kam für fünf Minuten zu einem leicht brennenden Schmerz an der Bissstelle. Es folgte eine starke Schwellung des Daumens und des Zeigefingers in einem Zeitraum von 30 Minuten. Es waren einige leichte Unterblutungen zu erkennen. Das Ödem erreichte nach 24 Stunden sein Maximum. Es hatte sich bis auf den Unterarm ausgebreitet. An der Bissstelle konnten Unterhautblutungen erkannt werden. Es kam zu einer Lymphangenitis bis in den axillaren Bereich ohne eine Beteiligung der Lymphknoten. Nach 48 Stunden entwickelte sich das Ödem zurück. Es gab keine weiteren Zeichen einer Vergiftung.

Fall 2
Der hier beschriebene Unfall ereignete sich beim Füttern unseres großen Zuchtweibchens (ca. 200 cm Länge!) im April 2009. Während das Tier bereits eine Maus schluckte, sollte noch der Trinkwassernapf gereinigt werden. Diese Handbewegung im Terrarium quittierte das Tier, das die besagte Futtermaus wohl mehr oder weniger "inhaliert" haben musste, mit zwei kurz aufeinander folgenden Bissen in den Ringfinger der rechten Hand, ließ aber danach sofort von weiteren Attacken ab. Es erfolgte keine anschließende Konstriktion der "Beute", wie man sie sonst bei der Futteraufnahme dieser Schlangen beobachtet und erwartet hätte
Ein besonders prekärer Umstand in dieser Situation war die bestehende Schwangerschaft (19. SSW) der Gebissenen. Nach sofortiger Benachrichtigung der Giftnotrufzentrale in Göttingen begab sie sich deshalb in klinische Betreuung im örtlichen Krankenhaus. Dort wurden in paralleler Absprache der Klinikärzte mit der GNZ Göttingen Blutdruckwerte überwacht, ein großes Blutbild und Gerinnungsfaktoren genommen sowie der Impfstatus abgefragt.
Etwa 5 Minuten nach dem Biss hatte sich im gebissenen Finger und in weiterer Ausdehnung in der Hand bis zur Schulter ein Taubheitsgefühl eingestellt. Dieses hielt für etwa 24 Stunden an. Ebenso waren lokale Schmerzen im Finger festzustellen, die am zweiten Tag komplett nachgelassen hatten.

Durch diese Fallbeispiele zeigt sich auf jedem Fall, dass es sich bei Philodryas baroni um agile Tiere handelt, die blitzschnell und (ausdrücklich: entgegen ihrem sonstigen Naturell!) bei der Fütterung auch mit Zubeißen reagieren. Was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann, denn wenn die Tiere im Normalfall sich zwar sehr schnell manchmal auch hektisch bewegen, erfolgt sowohl ein Fang als auch ein Abwehrbiss immer nur bei der Fütterung. Wobei man aber beobachten kann, dass es hierbei gezielt zum Einsatz der Giftzähne kommt


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